Schweden rudert zurück

Sechs-Stunden-Arbeitstag in der Pflege ist passé

Sechs-Stunden-Arbeitstag motiviert Pflegekräfte und hält sie fit

Schwedische Pflegekräfte genossen in den letzten zwei Jahren den Sechs-Stunden-Arbeitstag (Foto: Fotolia)

Vor zwei Jahren startete Schweden ein Experiment, bei dem 80 Pflegekräfte in Göteborg fortan nur noch sechs Stunden arbeiteten. Bei vollem Gehalt. Die Regierung unterstütze dieses Projekt finanziell – bis jetzt.

Motivierte Fachkräfte

Zwei Jahre sind vergangen, nun ist die Zeit für den Sechs-Stunden-Tag abgelaufen. Viele Rückmeldungen waren positiv: Weniger Ausfall durch Krankheiten und fitte Pflegekräfte. Zusätzlich verbesserte die höhere Motivation die Arbeitsqualität. Häufigere Spaziergänge, engagiertes Spielen und weitere soziale Aktivitäten seien laut dem Englischen Blatt „Guardian“ deutlich spürbar. Das Ziel einen höheren „Wohlfühlfaktor“ für Patienten und Bewohner zu erreichen, wurde somit erreicht.

Eine Frage des Geldes

Doch die verkürzte Arbeitszeit birgt Nachteile: Der Sechs-Stunden-Arbeitstag ist teuer. Für das Experiment in den Seniorenheimen seien zusätzliche Ausgaben in Höhe von 1,26 Millionen Euro angefallen, schreibt das Medienunternehmen „Bloomberg“. Unter anderem entstanden die Kosten durch neue Mitarbeiter, die eingestellt werden mussten, um eine kontinuierliche Pflege zu ermöglichen.

Die Durchsetzung des Sechs-Stunden-Arbeitstages sei daher noch zu teuer, konstatiert Daniel Bernmar. Der Politiker der linken schwedischen Vänsterpartiet fordert mehr Studien, die feststellen sollen, ob ein kürzerer Arbeitstag der Gesellschaft als Ganzes nutzen kann. Beispielsweise durch sinkende Kosten für Sozialleistungen wie Kranken- oder Arbeitslosengeld.

Kein Aus für den Sechs-Stunden-Arbeitstag

Der finanzielle Aspekt war allerdings nicht der ausschlaggebende Grund, das Experiment auszusetzen. Das Projekt war von vorneherein auf zwei Jahre begrenzt und ist in diesem Jahr abgelaufen. Eine genaue Auswertung, wie hoch die Kosten im Verhältnis zum Nutzen sind, wird es im März geben. Erst dann kann eine genaue Bilanz gezogen werden.

Ein Aus für kürzere Arbeitstage ist der Stopp jedoch noch nicht. Die IT- Branche macht es vor: In Schweden arbeiten zahlreiche Techunternehmen mit diesem Modell. Obwohl die Mitarbeiter teilweise weniger verdienen, scheint das Modell zu funktionieren. Der App-Entwickler „Filimundus“ aus Stockholm beispielsweise will die verkürzte Arbeitszeit beibehalten.


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