Die Branche genießt Ansehen, gilt aber weiterhin als Frauendomäne
Lars Winkelbach im Gespräch mit einem Bewohner. (Foto: SSG)
Die Branche genießt Ansehen, gilt aber weiterhin als Frauendomäne. Männer sind immer noch Exoten in der Pflege. Laut aktueller Pflegestatistik sind lediglich 13 Prozent der Beschäftigten in Seniorenheimen männlich. Lars Winkelbach gehört zu dieser Minderheit.
Traumberuf Pflegekraft
Lars Winkelbach ist einer von zwölf männlichen Pflegekräften im Seniorenwohnen Goldbach. Seit beinahe 16 Jahren pflegt der 45-Jährige im Haus der Sozialservicegesellschaft des Bayerischen Roten Kreuzes (SSG). Woanders zu arbeiten, das kann sich der seit 1992 examinierte Altenpfleger nicht vorstellen. „Unser Team hält auch in schwierigen Situationen zusammen und die Vorgesetzten haben immer ein offenes Ohr“, berichtet der Goldbacher. Wer einen Fehler mache, dem werde nicht gleich der Kopf abgerissen. Im Gegenteil: Fehler werden gemeinsam besprochen und Wege gefunden, sie künftig zu vermeiden.
Pfleger genießen hohe Anerkennung
Abfällige Kommentare, weil er in einem „typischen Frauenberuf“ arbeitet, sind Winkelbach bisher erspart geblieben. Laut Forsa-Umfragen vom vergangenen Jahr genießen in Deutschland nur Feuerwehrleute und Ärzte ein höheres Ansehen als Kranken- und Altenpfleger. „Freunde und Bekannte sagen oft, sie seien froh, nicht meinen Job machen zu müssen. Für mich ist die Arbeit unglaublich abwechslungsreich und bereichernd“, erklärt er. Pflege sei genau sein Ding.
Der Hahn im Korb
Zurzeit ist der Unterfranke die einzige männliche Pflegekraft auf seinem Wohnbereich. Dies falle ihm besonders in Konfliktsituationen auf: „Bei Unstimmigkeiten suche ich das Gespräch unter vier Augen. Vielleicht bin ich da manchmal einfach zu forsch“, sagt Winkelbach.
Studien des Massachussetts Institute of Technology legen nahe, dass gemischte Gruppen mit hohem Frauenanteil produktiver arbeiten als reine Frauen- oder Männer-Teams. Auch in der Pflege bringen Männer eigene Qualitäten ein: Viele Bewohnerinnen freuen sich über männliche Aufmerksamkeit. Und männliche Bewohner sind dankbar, wenn sie mit einem Mann etwa über Fußball fachsimpeln können. „Ich sei ein richtig guter Kumpel, meinte ein Bewohner letztens zu mir“, erinnert sich Winkelbach gerührt.
Pflege voller Perspektiven
Wie viele seiner männlichen Kollegen ist der gelernte Energieelektroniker über den Zivildienst zur Pflege gekommen. Seit Wehrpflicht und Ersatzdienst abgeschafft sind, fehlen solche Aushilfskräfte. Dadurch lernen weniger Männer das Berufsfeld kennen, fürchtet Winkelbach. Dabei bietet die Pflege viele Perspektiven: Da Fachkräfte dringend gesucht werden, herrscht hohe Jobsicherheit. Und wer sich clever anstellt, kann frühzeitig zur Wohnbereichs- oder gar Pflegedienstleitung aufsteigen. Nachwuchskräfte werden im Vergleich zu anderen Branchen sogar überdurchschnittlich gut bezahlt: So verdienen Auszubildende des Seniorenwohnen Goldbach im ersten Ausbildungsjahr bereits 975 Euro brutto im Monat.
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