Keine Angst vor Sex

Angst vor Sex nach Herzkrankheit

Wenn nichts mehr geht, sind Medikamente oft wirkungslos. Damit herzkranke Männer ab 50 wieder Spaß am Sex haben, helfen Gespräche und Fitness. (Foto: Fotolia)

Herzkranke Männer klagen über Lustmangel

Dass „Sex ein zentraler Bestandteil intimer Beziehungen ist“, klingt erstmal profan. Doch der Startsatz den Professor Andrew Steptoe (University College London) für seine Studie zum Thema Sex und Koronare Herzkrankheit gewählt hat, spiegelt, was vielen Männern ab 50 fehlt.

Weniger Sex, mehr Stress in der Beziehung

Weil ihnen Sex als zentraler Lebensteil fehlt, könne es sein, wenn Patienten an einer Koronaren Herzkrankheit (KHK) erkranken, dass neben der Herz- die Sexualfunktion beeinträchtigt ist.  Als Folge könnte Stress in der Beziehung auftauchen, sinnieren die Forscher. Doppelter Stress also für’s ohnehin angeschlagene Herz.

Steptoe und Kollegen haben untersucht, wie es um das Liebesleben der herzkranken Männer über 50 steht. Zur Analyse zogen die Forscher Daten von rund 3000 Männern und 3700 Frauen heran, die an der English Longitudinal Study of Ageing beteiligt waren. 376 Männer und 279 Frauen hatten eine KHK-Diagnose erhalten.

Betroffene Männer denken sogar weniger an Sex

Die Essenz: Ein krankes Herz hat Einfluss auf das Sexualleben. Allerdings weniger als vermutet. Betroffene Männer denken sogar weniger an Geschlechtsverkehr, so die Studienmacher.

Frauen haben keine Erektionsstörungen

Anders die Frauen. Im Vergleich war bei ihnen kaum ein Unterschied in den sexuellen Aktivitäten festzustellen. Als Grund sehen die Wissenschaftler – wen wundert es: Frauen haben keine Erektionsstörungen. Genau darunter nämlich leiden die Männer, wenn sie eine KHK- Diagnose (47 Prozent) haben deutlich mehr als und ohne (38).

Zudem haben herzkranke Männer auch seltener Sex (69 Prozent). Hingegen sind 80 Prozent der herzgesunden Männer sexuell aktiv. Damit haben sie aber immer noch mehr Sex als herzgesunde Frauen (56 Prozent).

Liegt die Diagnose länger zurück, sind keine signifikanten Differenzen mehr festzustellen.

Also alles wie vermutet? Nicht ganz. Eine wirklich neue Erkenntnis scheint die Studie hinsichtlich der Gedanken an Sex zu liefern. Männer mit KHK denken seltener daran (75 Prozent). Im Vergleich die herzgesunden Männer: Unter ihnen denken mehr (82 Prozent) an Sex.

Das war es dann auch mit neuen Erkenntnissen von der Insel. Denn das Angst vor dem Sex-Phänomen tritt vermehrt nur in den ersten vier Jahren nach einer KHK-Diagnose auf. Übrigens bei Männern und Frauen. Danach schleicht sich die Angst offenbar wieder davon. Liegt die Diagnose länger zurück, sind keine signifikanten Differenzen mehr festzustellen.

Medikamente und deren Wirkung

Immerhin untersuchten Steptoe und Kollegen, ob Medikamente die Sexualfunktion stören. Negativ auf die Erektion wirkten Diuretika (schwemmt Wasser durch die Nieren aus dem Körper heraus) und Statine (werden hauptsächlich bei Fettstoffwechselstörungen als Cholesterinsenker eingesetzt). Ganz sicher ist das aber nicht: Es könnten sich auch um Zufallsergebnisse handeln, so die Forscher.

Die Londoner Wissenschaftler empfehlen KHK-Patienten: „Lassen sie sich in Sachen Sex gut beraten!“. Als Faustregel gelte: Wer zügig spazieren gehen oder die Treppen von zwei Stockwerken erklimmen kann, ist auch Sex-fit.


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