Vogelmanns Perspektive: Ein Land – viele Personalschlüssel

Einheit auch in der Pflege herstellen

Andere Länder, andere Sitten. Das gilt nicht nur für Kultur und Essgewohnheiten. Im deutschen Bundesländervergleich finden sich sogar im Bereich der stationären Pflege große Unterschiede. Zwar legt das Pflegeversicherungsgesetz die Anforderungen an Pflege-Einrichtungen bundesweit fest, wie diese aber ausgestaltet werden, liegt in Länderhand.

IQD-Experte Gregor Vogelmann (Foto: IQD)

QM-Experte Gregor Vogelmann (Foto: IQD)

Müsste recht ähnlich aussehen, oder? Nein! Nehmen wir zum Beispiel den Personalschlüssel. Dieser schwankt je nach Region gewaltig. Kümmern sich in Baden-Württemberg durchschnittlich 41 Pflegende um 100 Senioren, müssen in Hamburg 37 Pflegekräfte dieselbe Arbeit leisten. Noch schlechtere Bedingungen herrschen in Sachsen vor. Dort versorgen nur 35 Personen 100 Pflegebedürftige. Mecklenburg-Vorpommern bildet mit knapp 32 Beschäftigten pro 100 Bewohnern das Schlusslicht der deutschen Heim-Personalbemessung.

Da bleibt nur ein Kopfschütteln. Sind laut unserem Grundgesetz doch alle Menschen gleich. Trotzdem scheint es rechtens zu sein, dass Pflegebedürftigen in Baden-Württemberg mehr Zeit zugestanden wird, als ihren Altersgenossen in Sachsen. Oder andersherum: Pflegende in Mecklenburg-Vorpommern werden ganz selbstverständlich stärker belastet, als ihre Kollegen in Hamburg. Halten Sie das für menschenwürdig vertretbar?

Ich nicht. Kein Wunder, dass examinierte Fachkräfte aus dem Norden in andere Bundesländer abwandern. Die Arbeitsbelastung ist selbst im Südwesten überdeutlich zu spüren. Und wie angespannt muss der Heimalltag mit – im Extremfall – neun Pflegenden weniger sein.

Deshalb fordere ich eine einheitliche Personalbemessung für die gesamte Bundesrepublik. Und diese muss sich eindeutig an den bisher höher angesetzten Länderschlüsseln orientieren. Ein Land – ein Personalschlüssel.

Gregor Vogelmann vom IQD kommentiert in seiner 14-tägigen Kolumne “Vogelmanns Perspektive” aktuelle Entwicklungen auf dem Pflegemarkt. Als Experte spricht er Klartext, kritisiert und erklärt.

Kommentare, Fragen und Anregungen zur Kolumne an info@die-pflegebibel.de.


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