#Pflexit: Raus aus der Pflegehölle

Auf Twitter tauschen sich Pflegekräfte über den Berufswechsel aus

Model in studio isolated on white background

Katastrophale Arbeitsbedingungen führen dazu, dass Pflegekräfte das Berufsfeld wechseln. (Foto: Fotolia)

„Ich mache die Bewohner fertig. Ich mache mich selbst fertig. Aber ich helfe niemandem mehr.“ – Mit dieser Erkenntnis beschloss Daniel Müller zu kündigen. Zehn Jahre hat der gelernte Fachinformatiker als Pflegehelfer gearbeitet. Jetzt steigt der 30-Jährige aus. Der Grund: Katastrophale Arbeitsbedingungen in der Pflege.

Müller ist kein Einzelfall. In dem sozialen Netzwerk Twitter versammeln sich unter dem Hashtag Pflexit all jene, die die Pflege verlassen haben. Den Ausstieg planen. Oder einfach davon träumen, die Pflege hinter sich zulassen. Der Hashtag dient auch als Echokammer. Im Zirkel Gleichgesinnter machen die Pflegekräfte ihrem Unmut mit großer Offenheit Luft. Sie fordern bessere Bezahlung, mehr Personal und eine mitarbeiterfreundlichere Dienstplangestaltung. Unbemerkt von der Außenwelt.

Echokammer für desillusionierte Idealisten

Mörderische Schichten. Personalmangel. Stress. Überstunden. Das Gezwitscher der Pflegekräfte offenbart schockierende Einblicke in den Pflegealltag. Aus den Statusmeldungen spricht offene Enttäuschung, Verzweiflung und Verbitterung. Der Hashtag Pflexit dient als Sammelpunkt für desillusionierte Idealisten unter den Pflegenden. In jedem Tweet schwingt unterschwellig eine Frage mit: „Wann ändert sich endlich etwas in der Pflege?“

Arbeitnehmerrechte in der Pflege einfordern

Müller wollte nicht tatenlos zuschauen. Also setzte er sich dafür ein, Arbeitsbedingungen zu verbessern. Vor drei Jahren trat er der Freien Arbeiterinnen und Arbeiter Union (FAU) bei, einer basisdemokratischen Gewerkschaft. Er informierte sich über Arbeitnehmerrechte und suchte das Gespräch mit seinen Vorgesetzten.

Konkrete Vorschläge für bessere Pflege

„Ich habe vorgeschlagen den Lohns um fiktive 150 Euro zu erhöhen, die als Sonderzahlung deklariert werden können“, berichtet der Pflegeaussteiger. Der Plan: Wird jemand krank, werden ihm zehn Euro abgezogen. Die bekommt dann derjenige, der einspringt. So gibt es weniger Krankenstand, weil die Leute nicht aus bloßem Frust zum Arzt gehen. Und einen Anreiz, für kranke Kollegen einzuspringen.

Müller plädierte außerdem für mehr Weiterbildung. Beim Essen anreichen wurde er Zeuge grenzwertiger Situationen. Deshalb forderte der Leipziger praktische Trainings. Auf denen sollten Pflegekräfte am eigenen Leib erleben, wie sich Pflege im schlimmsten Fall anfühlt: Flach im Bett zu liegen und jemand zwingt dich 200 Milliliter Flüssigkeit zu trinken. Oder steckt dir ein Löffel in den Mund, obwohl du noch kaust. Vorgesetzte hätten dabei lernen können, wie lange Essen anreichen dauern kann. Und dass starre Zeitpläne in der Pflege unmenschlich sind.

Pflexit als letzter Ausweg

Trotz konkreter Vorschläge lautete die Standardantwort aus der Chefetage: „Da kann ich nichts machen“. Daher verlässt Müller die Pflege schweren Herzens. „Wenn ich genug Zeit für die Bewohner gehabt hätte“, zeigt sich der Ex-Pfleger überzeugt, „würde ich heute noch in der Pflege arbeiten. Unter anderen Arbeitsbedingungen ist Pflege ein schöner Beruf.“ Vor seiner Kündigung musste der Leipziger sich nicht selten allein vor dem Frühstück intensiv um sechs bis sieben Bewohner kümmern. Das bedeutet: innerhalb von zwei Stunden sechs bis sieben Menschen mit individuellen Bedürfnissen aus dem Bett holen, waschen und anziehen. „Die Qualität meiner Arbeit hat unter dem Zeitdruck gelitten. Ich habe gemerkt, wie mein Stress Menschen mit Demenz in Unruhe versetzt hat“, gibt der ehemalige Pflegehelfer zu. In seiner Stimme liegt echtes Bedauern.

Schlechte Arbeitsbedingungen, schlechte Pflege

Er erlebte, wie sich schlechte Arbeitsbedingungen negativ auf alle Bereiche der Pflege auswirken. Das Arbeitsklima verschlechterte sich zunehmend. Viele von Müllers Kollegen resignierten und stumpften ab. Immer wieder führten Frust und Stress zu Kurzschlussreaktionen. Genervte Pflegekräfte reagierten sich an ihren Arbeitskollegen ab. Teilweise richteten sich die Wutausbrüche sogar gegen Bewohner. „Ich will dieses Verhalten auf keinen Fall entschuldigen“, erklärt Müller, „aber viele Pflegekräfte stehen unter immensem Druck. Das macht auf Dauer jeden fertig“.

Pflegeschlüssel als Mindeststandard

Der Ex-Pfleger erhebt schwere Vorwürfe gegen Träger und Einrichtungsleitungen: „Die Heime ruhen sich auf dem Pflegeschlüssel aus. Aber das ist ein Mindeststandard. Die katastrophalen Folgen des Personalmangels für Bewohner und Pflegepersonal werden ignoriert“. Den Unternehmen ginge es nur noch um Gewinnmaximierung. Qualitätssicherung stehe hinten an. „Der selbstauferlegte Ehrenkodex, den viele Einrichtungen vor sich hertragen, ist reine Augenwischerei.“

Neuanfang durch Pflexit

Seit Anfang des Jahres ist der 30-Jährige arbeitslos. „In Leipzig sind die Leute froh, wenn sie überhaupt Arbeit haben“, berichtet Müller, „aber ich will dieses System nicht weiter unterstützen.“ Sein Ziel ist die Selbstständigkeit. In seiner kleinen Werkstatt will er Möbel herstellen. Für die Pflege wünscht er sich, „dass die Unternehmen anfangen umzudenken und anfangen, aktive Qualitätssicherung durch mehr Personal zu betreiben.“

Der Pflexit ist ihm geglückt. Trotzdem will sich der Gewerkschafter weiterhin dafür einsetzen, die Arbeitsbedingungen in der Pflege zuverbessern: „Pflege muss sich organisieren, austauschen und sich ihrer Rechte bewusst werden.“ Twitter kann da ein nützliches Hilfsmittel sein.


Diskutieren, aber fair. Hier finden Sie unsere Kommentarregeln.

  • Peter Schlegel,

    Es ist zutiefst unsolidarisch, kranken Kollegen/innen für das krank sein noch Geld vom eh schon miesen Lohn abzuziehen zu wollen. Es sind die Arbeitgeber, die sich an den schlechten Bedingungen bereichern. Begreift endlich, dass das Personal nicht schuld ist, wenn niemand mehr zum Dienst erscheint. Es ist die Schuld der Arbeitgeber, die zuwenig Personal eingestellt hat. Haltet euch an geschriebene Dienstpläne, ihr habt die Pflicht, aber auch das Recht so zu arbeiten. Springt nicht mehr ein, macht keine pflegfremden Tätigkeiten mehr. Ihr werdet sehen wie schnell abhilfe geschaffen wird. Keine Angst vor einer Kündigung, nach euch kommt niemand mehr.

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    • Christian Cuypers,

      Hallo Herr Schlegel,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Falls Sie Lust haben, eine Art Gegendarstellung zu schreiben oder ein Interview geben möchten, dann schicken Sie doch kurz eine Mail an info@die-pflegebibel.de und wir klären die Details.

      Beste Grüße
      Christian Cuypers

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  • Lisa,

    Leider stimmt das nicht mehr so ganz ….das man nicht gekündigt wird!!!…..nach 27 Jahren in der Pflege. …hat mir mein Arbeitgeber einfach mal ohne einen wahren Grund nach 5 Jahren nach dem FD im vorbeigehen gekündigt! !!!
    Es geht nur ums Geld! !!…..arbeiten. …Maul halten. …und bloss nicht seine eigenen
    Vertragsinhalte kennen! !!…..dann kann Personalmangel sein ….egal mussen die anderen halt noch mehr arbeiten! !!!…..und das im Sinne der Kirche. ….Amen !!!

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  • Julia van Lent,

    Hallo Lisa, darf ich fragen was der Arbeitgeber als „offiziellen“ Anlass der Kündigung angegeben hat? Ich hoffe natürlich das du Kündigungsschutzklage eingereicht hast?
    Bitte lass dich davon nicht abschrecken und resigniere deshalb nicht. Wir müssen aufstehen und sagen: NEIN, so kann es nicht weiter gehen. Wenn die Mehrheit das nicht schafft, wird sich nichts ändern. Nicht für uns und nicht für die Pflegebedürftigen.
    Sollte die Kündigung rechtskräftig sein, wirst du mit Sicherheit nicht lange arbeitslos bleiben, wenn du weiter pflegen möchtest.
    Bleib tapfer und hole dir, was dir zusteht!
    Liebe Grüße Julia

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  • Ichich,

    Genau SO!!!
    Aufstehen! Nicht wirtlos alles hin nehmen. Seine Rechte und Pflichten KENNEN UND EINFORDERN. Ja, ist weder bequem, noch lustig. Ist aber in jedem Fall wichtig, auch um seinen „kleinen“ eigenen Beitrag zum Umdenken und Ändern beizutragen! Wer soll es für Pflegende tun, wenn es die Pflegenden selbst (für sich) nicht tun?

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  • Gisela Rosenthal,

    Hallo,
    das Problem besteht nicht erst seit 4/5 Jahren, es hat schon in den achtzigern und neunzigern Jahren angefangen und das auf sehr subtile Weise. Gewachsene Strukturen in Kliniken/Pflegeheimen wurde die Kollegialität systematisch zerstört, durch schmeicheln, Äußerungen wie “ Sie bekommen einen Bonie oder Gehaltserhöhung mit der Aussage, sprechen Sie aber nicht mit Kollegen darüber“, eine Geheimnistuerei die diesem System Vorschub leistet u. v. m.. Dadurch habt sich die Pflege selbst ein Bein gestellt. Wir haben uns dadurch einspannen lassen und das hat zu dieser Situation in der Pflege und in allen anderen Wirtschaftsbereichen geführt. Mobbing steht auf der Tagesordnung ganz oben, ob von Kollegen oder der Geschäftsführung/Pflegedienstleitung. Personalräte und Gewerkschaften stehen meistens nicht hinter der Pflege, habe Ihr Euch schon mal gefragt warum?
    Mittlerweile ist es so, das sich ein Klima der Angst ausgebreitet hat, jeder denkt an sich selbst. Man äußert sich in bestimmten Runden bei einem Gespräch, sollte dann aber eine Pflegekraft den Mut haben sich zu äußern, ziehen die Anderen den „Schwanz“ ein, stehen nicht dazu was Sie geäußert haben, denn das Gespenst, das man den Arbeitsplatz verliert ist so groß, das man den Mund hält. Dann wird in den Krümeln gesucht, fristlose Kündigungen ausgesprochen und keine Kollege sagt etwas, man ist ja sich selbst am nächsten.
    Es werden aus diesem Grund auch gesundheitliche Schäden von den Pflegekräften in Kauf genommen, wird es dann Kritisch für die Pflegedienstleitung und Geschäftsführung werden kurzfristige Maßnahmen zur Beruhigung des Pflegepersonals eingeleitet, zum Beispiel die Supervision. Ach, was fühlen wir uns geschmeichelt, man nimmt mich wahr, aber nach kurzer Zeit, man kann ja die Kritiker/Unruhestifter dadurch herausfiltern, ist Alles wieder beim Alten.
    Kollegen werden herangezogen um die motivierte Kollegen wieder auf die richtige Bahn zu bringen, sollte dies nicht möglich sein, dann werden andere Maßnahmen herangezogen, denkt mal an die Stasi und deren Vorgehensweise, aggressive Kritik vor Patienten und Kollegen u s. w.. Euch sollte dies bekannt sein, jeder erlebt dies auf einer anderen Weise und nochmals, dies ist ein sehr subtiler Vorgang. Wenn man die Kollegen/Bereichsleitung/Pflegedienstleitung auf verschiedene nicht korrekten Äußerungen anspricht, heißt es “ das hast du falsch verstanden“, komisch seit ihr geistig nicht auf der Höhe, könnt Ihr das gesprochene deutsche Wort nicht verstehen?
    Aus diesem ganzen Konglomerat an subtiler Beeinflussung ergibt sich diese Situation und nicht nur im beruflichen Umfeld.
    Ich schließe mich da nicht aus, aber ich habe den Mund aufgemacht. Die Konsequenzen daraus muss ich tragen und diese haben massive Auswirkungen auf mein Privatleben.
    Was ich nicht bedacht habe ist folgende Sache:
    Die Pflegedienstleitungen sind sind vernetzt und tauschen sich über „Querulanten“ in der jeweiligen Klinik/Einrichtung aus. Wird man fristlos gekündigt und findet nicht so schnell einen neue Arbeitsstelle, kommt man selten auf die Idee, das es nicht an seiner Leistung liegt, denn es gibt eine schwarze Liste für Pflegepersonal. Kennt Ihr auch aus der Versicherungsbranche. Also wird man nicht nur mit dem Verlust eines Arbeitsplatzes bestraft, ihr werdet auch (wenn Ihr dann Glück habe eine neue Arbeitsstelle zu finden trifft dies nicht zu) privaten Bereich. Ihr wisst was es bedeutet arbeitslos zu sein, wenn nicht, habe Ihr Glück gehabt.
    Wir haben Allen den Anspruch, den Menschen zu helfen, dieser Anspruch solle aber nicht am Klinikeingang/Ausgang abgeben werden.
    Selbstreflektion ist der erste Schritt dazu und dann ein Schritt nach dem Anderen.
    Diese Aussage, haben bestimmt schon viele gehört:
    warum regst du dich so auf, wir können nichts machen, es muss erst etwas passieren. Es wird der gesundheitliche Schaden, manchmal auch der Tod, eines Menschen in kauf genommen, damit sich etwas verändert.
    Dazu kann ich nur sagen, man sollte das Grundgesetz kennen.
    Ein Paar Gedanken:
    “Wir müssen der Wandel sein, den wir in der Welt zu sehen wünschen.”

    Mahatma Gandhi
    (Indischer Verfechter von Gewaltlosigkeit)

    Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll.

    Georg Christoph Lichtenberg
    Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.

    Friedrich Hebbel

    Eine neue Art von Denken ist notwendig, wenn die Menschheit weiterleben will.

    Albert Einstein
    Die Zeit ist schlecht? Wohlan. Du bist da, sie besser zu machen.

    Thomas Carlyle
    Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.

    Antoine de Saint-Exupery

    Dies war ein Denkanstoß an Alle, mich nicht ausgenommen. Die Kollegen, die so gehandelt habe hasse ich nicht, ich bedauere Diese.
    Ich wünsche Allen Mut und ganz viel Durchhaltevermögen, denn im Kleinen fängt die Veränderung an.

    Gisela

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  • Tracy,

    Pflege macht krank. Insbesondere dadurch, dass zum einen zu wenig Pflegepersonal da ist, zum anderen die Bezahlung und Arbeitsbedingungen völlig mies sind. Ich selbst war 28 Jahre im Krankenhaus tätig (verschiedene Krankenhäuser und Stationen) und habe bei Kindern und auch bei Erwachsenen gearbeitet- kurze Zeit auch mal in der Altenpflege. Ich habe Fort- und Weiterbildungen absolviert und war hoch qualifiziert. (leitende Tätigkeit) Über die Jahre konnte ich sehen, dass sich die Pflege sehr veränderte. Zunächst nahm die Politik den Krankenschwestern und Krankenpflegern die Beihilfen weg, dann wurden Nachtarbeitsstunden so mies bezahlt (2,50 DM pro Stunde Zuschlag) dass niemand sie machen wollte. Überstunden waren normal (natürlich unbezahlt) und schon damals fehlte es an allen Ecken und Enden an interessiertem Nachwuchs. Aber die Politik schlief- es wurde ignoriert. Kirchliche Häuser bezahlten schon immer sehr viel schlechter als städtische Häuser, sie hatten Personalräte die aus Chefärzten und leitenden Angestellten bestanden, so dass eine Beschwerde dementsprechende Auswirkungen hatte. Streiken durfte das Personal auch nicht, daher auch kaum Lohnerhöhungen- und wenn, dann im einstelligen Bereich von meist 1 Prozent.
    Bis heute hat sich nichts geändert- nur sind die Politiker etwas wacher geworden- leider aber noch immer nicht aufgewacht.
    Nach 28 Jahren habe ich meinen Beruf aufgrund einer Berufserkrankung aufgeben müssen, wo niemand mir mal gesagt hat, dass Latex die Ursache dafür war (Latexstaub). Seit 50 Jahren als gefährlich bekannt- aber dennoch wurden (bis dahin) weiterhin die 1 Pfennig billigeren gepuderten Handschuhe benutzt, die meine Lunge schädigten- über all die Jahre- aus Kostengründen. Erst als der Arbeitgeber mir kündigen wollte (!) hat sich ein Arzt mal bequemt eine Meldung an die Unfallversicherung zu machen. Die Schäden bleiben mein Leben lang und ich habe sehr darunter zu leiden. Auch die „tolle“ kirchliche Zusatzversicherungsrente wurde mir derartig gekürzt, (weil ich ja nicht bis zum Rentenalter weitergearbeitet habe (obwohl das lebensgefährlich gewesen war)) dass nach 28 Jahren gerade mal etwas über 100 Euro gezahlt werden. Nun wisst ihr was euch so blüht wenn ihr krank werdet oder aufhört zu arbeiten.

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  • Ana,

    Es ist der blanke Wahnsinn, was ich hier lese und aus meinen eigenen Erfahrungen weiß. Auch ich bin Krankenschwester mit Leib und Seele „gewesen“, dh ich bin noch, allerdings im Krankenstand wegen Burnout….was soll ich sagen. Wir werden wie Schachfiguren behandelt. Je nachdem, wo personell Not am Mann ist, wird versucht die noch vorhandenen Kollegen zu verheizen! Vor allem ohne diese zu Fragen bzw eine Chance zu geben, entsprechend zu reagieren. Mit Vorliebe werden oft ältere Kollegen einfach hin und her geschoben. Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dies wird bewusst gemacht, um unsmürbe zu machen – und vor allem die Kollegen mit den „alten“ Verträgen rauszumobben. Warum, weil sie einfach zu teuer für unser ach so tolles GesundheitsSystem geworden sind….
    Ich will nicht mehr weiter lamentieren. Aber auch ich bin nahe dran, aus dem eigentlich wunderschönen Beruf der Pflege auszusteigen. Es fehlt mir nur noch ein kleines Quäntchen Mut und Perspektive!

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  • Marie,

    Ich liebe meinen Beruf als Krankenschwester nach wie vor, aber leider geht es mir wie so vielen hier 🙁 Wir haben einfach kein Personal mehr, arbeiten fast nur noch mit Zeitarbeitern, was die Patienten auch fertig macht …weil sie gar keine Bezugspflegekräfte mehr haben, jeden Tag ist wer anders da und ich werde mit dem Erklären und Einweisen nicht mehr fertig .. Fast nur noch Krankmeldungen und immer wieder Dienste bis zu 12 Tagen am Stück ohne frei, immer mindestens 3 Wochenenden und natürlich ständig noch einspringen gefordert … Ich würde auch gerne raus, aber ich bin zudem noch abhängig, weil ich eine Dienstwohnung habe hier … Leider habe ich noch keine Wohnung „draußen“ gefunden und somit hänge und strample ich noch weiter im Hamsterrad 🙁

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    • Hendrik Stuewe,

      Hallo Marie, vielen Dank für deinen Kommentar. Ihre geschilderte Situation scheinen viele zu erleben, was ein Tragödie ist. Wir wünschen Ihnen baldige Verbesserung der Situation!

      Antworten

      • Marie,

        Danke Hendrik , lieb von Dir!

  • Alte Schwester,

    Ich denke,nach vielen Jahren im Pflegeberuf,das die Politik diesen Bereich bewusst an die Wand fährt.Patienten u. Pflegepersonal sind nur ein Kostenfaktor.Es wird sich nichts ändern,denn auch die Bevölkerung interessiert sich nicht dafür.Obwohl man annehmen könnte,das jeder,früher oder später,einmal direkt betroffen sein wird.
    Mein Fazit aus allem ist: Rette sich wer kann.
    Empfehle jungen Menschen diesen Berufszweig grossflächig zu meiden.Denn könnte mit gutem Gewissen niemandem mehr empfehlen,diesen Beruf zu wählen.
    Habe die letzten 10 Jahre im tägl. Schnitt 34 Pflegefälle mit einer Hilfskraft betreut,Oft den Jahresurlaub verschoben und zwischen 190 u. 250 Überstunden gekloppt.
    Pausen im Job gabs auch kaum.Toilettengänge unterbrochen von wieder einem Biss vom Wurstbrot,wenn überhaupt.Oft Essen und trinken vergessen,aber egal. Es ist eh keine Zeit,selbst mal aufs WC zu gehen.
    Die paar Kaffe,die man sich reinkippt ,verdunsten bei dem Gerenne.
    Mancher Patient liegt mittags noch in der Einlage von der Nacht. Na dann guten Appetit.
    Die Würde des Menschen ,in dem Bereich,ist in jeder Beziehung antastbar.
    Es zählen nur Pflegeminuten und Profit.
    Sporadisch rennt der Chef über die Station und brüllt: Ihr schreibt nur rote Zahlen.
    Einlagen brauchen wir immer noch zu viel.
    Damit wir PKs richtig motiviert sind,verbietet er uns unsere Kaffemaschine und stellt einen Dove Automat hin. In Zukunft kostet jeder Kaffee einen Euro.
    Vom Leben hat man nichts gehabt,das Sozialleben reduzierte sich durch Schichtarbeit und die eigene physische u. psychische Erschöpfung,die je älter man wurde,immer schlimmer würde.
    Mit jedem Jahr im Beruf wurden die Anforderungen durch Kostendruck u. Multimorbidität der Patenten noch härter.
    Welche Qualität habe ich unter diesen Bedingungen im Beruf noch geliefert? Darüber nachzudenken,lässt einen in tiefste seelische Schwärze sinken.
    Dabei habe ich den Beruf einmal gelernt,um Menschen zu helfen.
    Aber jeden Tag geht man nur noch aus dem Dienst nach Hause und ist sich im Klaren,das man vieles,das absolut wichtig für Patienten gewesen wäre,wieder nicht geschafft hat.
    Als ich krank wurde ,hat man mich rausgemobbt. Wenn ich heute mit 57 in der Fussgangerzone der Stadt sehe,wie andere Menschen noch laufen können,im Gegensatz zu mir.Dann bereue ich es sehr,das ich in die Pflege gegangen bin.
    Heute weiss ich,das der Preis zu hoch war.
    Logisch betrachtet hätte ich auch garnichts arbeiten können,um da zu landen,wo ich jetzt bin.
    Nur wäre ich dann nicht so körperlich verbraucht.
    Früh zum Krüppel hat mich die Arbeit gemacht und zum Lohn gibts eine Rente 50 Euro über dem Sozialhilfesatz.Damit kann ich dann grade noch die GEZ zahlen..
    Die BG Zusatzrente werde ich wohl nicht mehr erleben.10 Gutachten,aber es passt immer noch nicht:-))
    Vor der Rente hat man mich noch zwei Jahre durch Hartz4 geschleusst,damit alles,was man sich fürs Alter angespart hat,auch noch verlustig ging.Um mich dann ausgequetscht wie eine Zitrone in Rente zu kicken.
    An meinem Beispiel könnt ihr sehen,wo euch der Pflegeberuf hinbringen kann.Gratuliere jedem,der die Flucht daraus schafft,oder diesen Dreck garnicht erst lernt
    So wie es jetzt läuft,hat der Beruf keine Perspektiven mehr.
    Und ehrlich…wenn ich an meine letzten Erfahrungen in einer überfüllten Notfallambulanz denke…..dort legten mir überstresste,entmenschte Pflegekäfte bei offener Tür zum Flur einen Harnwegskatheter,dann habe ich auch verstanden,das der Niedergang im Pflegeberuf noch längst nicht vollendet ist.Es wird nur immer schlimmer,solange sie noch Leute haben,die in dem System weitermachen.Das neue Motto in der Pflege ist nicht mehr.“Alles wird gut“,sondern Gandalfs.,..rettet euch,ihr Narren.

    Antworten

    • Hendrik Stuewe,

      Guten tag,
      vielen Dank für deinen Kommentar und für deine Erfahrungen. Das ist leider eines von vielen negativ Beispielen aus der Pflege und wir hoffen, dass Sie ihren Weg gefunden haben. Es wäre schön, wenn positive Beispiele vermehrt ans Licht kommen würden, damit Nachwuchskräfte auchd ie schönen Seiten des Berufs sehen würden. Denn wir sind der Meinung, dass Vermeidung der Branche die Situation nur verschlechtert und die Pflegekraft eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft spielt. Falls Sie noch in der Pflege arbeiten: Kopf hoch, suchen Sie nach einem Arbeitgeber, der die Situation im Griff hat – denn auch diese gibt es 🙂

      Grüße

      Antworten

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