Pflege allein zu Haus: Plötzlich Pflege

Unsere neue Pflegebibel-Kolumnistin Wiebke Worm stellt sich vor

177 Wir bauen eine Bruecke_Wiebke Worm und Mann Uwe

Herzensangelegenheit: Wiebke Worm pflegt ihren Ehemann Uwe.

Wiebke Worm ist pflegende Angehörige – und zwar mit viel Herz. In ihrer neuen Kolumne „Pflege allein zu Haus“ schreibt die Autorin über ihren Pflegealltag und gibt nützliche Tipps für pflegende Angehörige und Betroffene.

Liebe Leserinnen und Leser,

ein freundliches Hallo, an alle die das hier lesen. Ich möchte mich kurz vorstellen: Mein Name ist Wiebke Worm, ich bin 51 Jahre alt und wurde im schönen Hamburg geboren. Dort lebe ich noch immer. Seit einigen Jahren pflege ich meinen an Multiple Sklerose erkrankten Mann.

Schreibende Angehörige

Ich bin also pflegende Angehörige (PA) und habe angefangen darüber zu schreiben. Als die Pflegebibel-Redaktion bei mir anfragte, ob ich nicht alle vierzehn Tage eine Kolumne verfassen möchte, fand ich die Idee toll. Deshalb lesen Sie jetzt diesen Text und zukünftig alle zwei Wochen mehr von mir in meiner Kolumne Pflege allein zu Haus.

Geschichten aus dem Leben einer pflegenden Angehörigen

Ich werde Ihnen aus meinem Leben als Pflegende Angehörige erzählen und Erfahrungen weitergeben. Ich möchte Tipps geben und berichten, was mich eben alles so bewegt. Über die Kommentarfunktion können Sie mir gerne Rückmeldungen geben.

Wie hat alles begonnen? Oder: Wann ist Pflege eigentlich Pflege?

Ich habe lange gebraucht, um festzustellen: Ich pflege! Es war ein schleichender Prozess und auf einmal war ich mittendrin, bin einfach da reingerutscht. Heute weiß ich von einigen anderen pflegenden Angehörigen, dass es ihnen genau so ging. Zunächst waren es kleine Handgriffe, die ich mal eben schnell übernommen habe. Ein Glas Wasser reichen, den Arm beim Trinken stützen oder Essen zerkleinern, damit es noch warm gegessen wird. Es ist ja einfacher, geht schneller und entlastet den Anderen.

Aber tut es das wirklich? Inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher. Andere Pflegende Angehörige spiegelten mir im Gespräch, dass Hilfe auch schwächen kann. Weil wir unseren Schützlingen zu früh Aufgaben abnehmen. Danach habe ich mich oft gefragt, ob das stimmt.

Nicht zu früh helfen

Ich habe bewusster darauf geachtet, meinem Mann  nicht sofort alles abzunehmen. Dabei die Waage zu halten ist nicht einfach. Zumal Betroffene sich ja auch unter Druck gesetzt fühlen können, wenn Selbstständigkeit gefragt ist. Mein Mann und ich haben gemeinsam beschlossen, dass ich öfter frage. Vor allem, wenn wir nicht unter Zeitdruck stehen.

Was meinen Sie dazu? Helfen, oder erstmal selber machen lassen, selbst wenn es dauert, oder etwas daneben geht? Ich bin auf Ihre Antworten gespannt und wünsche Ihnen, dass Sie Ihren Weg finden, oder gefunden haben.

Ihre Wiebke Worm

Über Wiebke Worm

10849078_1590420761200843_5578104505492805787_oWiebke Worm schreibt die Pflegebibel-Kolumne Pflege allein zu Haus. Die Buchautorin, Illustratorin und Fotografin pflegt ihren MS-kranken Mann. Gemeinsam mit Betroffenen und anderen pflegenden Angehörigen hat die ehemalige Crew-Managerin den Sammelband Wir bauen eine Brücke herausgegeben. Über ihre Facebook-Seite Wir pflegen unsere Lieben betreut sie die Aktion Herzensangelegenheiten, die Aufmerksamkeit für die Lebensumstände pflegender Angehöriger schaffen soll. Bei uns schreibt die Autorin über ihren Pflegealltag und gibt nützliche Tipps für pflegende Angehörige und Betroffene.


Diskutieren, aber fair. Hier finden Sie unsere Kommentarregeln.

  • Andreina,

    Ich habe eine Tochter die ich zu Hause pflege körperlich und geistig behindert. Sie ist mittlerweile 2q und ich habe sie immer schon erst mal alleine machen lassen auch wenn viel schief gegangen ist und noch geht aber ich sehe heute die fortschritte

    Antworten

    • W. Worm,

      Liebe Andreina,
      es freut mich sehr, dass Sie heute Fortschritte sehen, das ist für alle Seiten so wichtig und zeigt, dass das der richtige Weg war und ist.
      Ich wünsche von Herzen weitere Fortschritte und weiterhin viel Kraft.
      Viele Grüße Wiebke Worm

      Antworten

  • Helga Rikken,

    Liebe Wiebke, gerade habe ich deine lieben Zeilen gelesen und bin überwältigt ob deiner Liebe, deiner Kraft und deiner Aktivität. Vor allen Dingen aber auch über die Hilfbereitschaft in der Pflegebibel anderen Menschen, die das gleiche Schicksal ertragen müssen, zu unterstützen. Dein kranker Mann Uwe kann stolz auf dich sein, denn was wäre sein Leben ohne dich.
    Ich wünsche dir und deinem lieben Mann Kraft und Zuversicht.
    Helga

    Antworten

    • W. Worm,

      Liebe Helga,
      danke Dir für Deine sehr lieben Worte. Ich bin aber auch sehr stolz auf meinen Mann, denn er erträgt das ja alles und lächelt immer noch ab und zu.
      LG Wiebke

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  • Heinz Weinert,

    Hallo Frau Worm,
    gerade dieses Thema hat mich in den letzten zwei Jahren sehr beschäftigt, wo hört Pflege auf und ab wann führt die Hilfsbereitschaft zur Schwächung.
    Seit sieben Jahren pflege ich meine an Alzheimer Demenz erkrankte Mutter. Anfangs war sie noch in der Lage weitgehend selbstständig zu essen und zu trinken, ich musste ihr nur z.B. das Fleisch mundgerecht zuschneiden. Wenn ich jedoch den Eindruck hatte das sie sich, egal bei welcher Tätigkeit schwer tat, habe ich ihr sofort Hilfestellung gegeben. Heute weiß ich das ich ihr damit nicht wirklich geholfen habe. Sie ist selbst heute noch im Stande Dinge zu tun die in meinem Beisein als unmöglich erscheinen. Mit meiner voreiligen Art bin ich zwar ihrem Bedürfnis der direkten Beschäftigung mit ihr nachgekommen, aber dadurch wurde sie auch zunehmend schwächer und vielleicht auch ein bisschen Bequemer.
    Ich denke auch das das Maß der notwendigen Hilfestellung sehr stark vom Krankheitsbild abhängt und man sich als Pflegende(r) langsam daran gewöhnen muss das zu viel Zuvorkommenheit absolut falsch ist.

    Antworten

    • W. Worm,

      Lieber Herr Weinert,
      vielen Dank! Voreilig würde ich das nicht wirklich nennen, anfangs überbesorgt eventuell, zumindest wenn ich von mir ausgehe, oder eher unbedacht. Mir war bis zu dem Gespräch nicht wirklich klar, dass durch diese Handreichungen eben auch etwas verkehrt läuft/laufen kann. Um so wichtiger ist der Austausch, sowohl mit unseren Lieben, als auch mit anderen pflegenden Angehörigen in meinen Augen.
      Weiterhin viel Kraft
      Herzliche Grüße
      Wiebke Worm

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  • Meerschreibfrau,

    Erst mal selber machen lassen! Meinem Mann ist das sehr wichtig und er kann auch – mit Recht – sehr ungehalten werden wenn ich ihm etwas zu schnell abnehmen will. Auch winzige Erfolge sind für ihn groß. Ich lerne immer mehr, uns die Zeit zu lassen. Es ist sehr wichtig! Und man kann sich oft groß freuen über kleine Erfolge. Zusammen.

    Antworten

    • W. Worm,

      Liebe Meerschreibfrau,
      danke für diese Rückmeldung und es ist so wahr, man kann sich, je nach Krankheitsbild, gemeinsam über noch so kleine Erfolge freuen. Das ist wichtig und das ist auch etwas, was uns durchhalten lässt, denke ich.
      Weiterhin alles Gute für Sie und Ihren Mann, viele Erfolge und ein schönes Miteinander!
      Herzliche Grüße
      Wiebke Worm

      Antworten

  • Tilli Ulenspeel,

    Hallo Wiebke, ich pflege zwar keinen, aber ich finde das Engagement von allen, die dies freiwillig tun, echt stark! Dazu gehört viel Kraft und Hingabe, denke ich. Zu deiner Frage: falls ich mal pflegebedürftig werden würde, wäre es für mich sicher schwer, bestimmte Dinge an eine andere Person abgeben zu müssen. Daher möchte ich meine Selbstständigkeit, so lange es geht, behalten. Wenn es nicht mehr anders ginge, müsste ich um Hilfe bitten, was mir auch sehr schwer fallen wird, das weiss ich. Ich müsste mich langsam daran gewöhnen. Herzliche Grüße von Tilli

    Antworten

    • W. Worm,

      Liebe Tilli,
      ich freue mich über Deine Rückmeldung und ja, es ist oft ein schwerer Prozess um Hilfe zu bitten, wenn man das nie nötig hatte. Dabei kann es auch so einfach sein. Es ist aber auch gut, wenn man selber noch einen STOP setzen kann und sagen, dass man seine Selbständigkeit erhalten will, so lange es geht. Natürlich hoffe ich, dass es möglichst gar nicht erst soweit kommt und wenn doch, dass Du jemanden an Deiner Seite hast.
      Liebe Grüße
      Wiebke

      Antworten

  • Leonhard Fromm,

    Hallo Wiebke,
    Du schreibst sehr liebevoll und einfühlsam. Danke für diesen Frieden. Zum Glück habe ich das Pflegethema nicht im unmittelbaren Umfeld, aber als Vater zweier erwachsener Kinder haben mich Deine Zeilen doch berührt: Beruflich bedingt, habe ich mir nicht genug Zeit für meine Kinder genommen. Deshalb habe ich ihnen oft beim Anziehen, Essen oder Aufräumen geholfen und sie beim Spazieren immer „angetrieben“. Heute bedauere ich meine Effzienz sehr. Sollte ich mal Enkel haben, will ich (fast) keine Ergebnisse mit ihnen erzielen, sondern den Augenblick mit ihnen genießen.

    Antworten

    • W. Worm,

      Hallo Leonhard,
      ich danke auch Dir für den netten Kommentar. Es freut mich, wie gut mein Kolumnenstart bisher angekommen ist.

      Meines Erachtens ist es oft so, dass Eltern eher effizient sein müssen und Grosseltern relaxter sein dürfen. Was Du aber mit Sicherheit auch machen kannst, ist eine gemeinsame Zeit mit den erwachsenen Kindern geniessen. Die ist zwar anders, als wenn sie klein sind, aber genau so wichtig und schön. Wobei ich mir bei Deinen Zeilen vorstellen kann, dass Du das schon machst/weisst :).
      Ich kann mir ebenfalls vorstellen, dass Deine Kinder spätestens wenn Du Enkel hast verstehen, warum Du eher effizient warst.
      Herzliche Grüße und alles Gute
      Wiebke Worm

      Antworten

  • Hans-Heinrich Kohnke,

    Hans-Heinrich 25. April 2016
    Ja, liebe Wiebke, Deine Fragen haben mich bewegt. Pflege ist immer eine kleine Gratwanderung und schnell kann es Bevormundung oder Vernachlässigung werden. Wichtig scheint mir eine grundsätzlich positive Lebenseinstellung zu sein und Toleranz. Damit hilft sich auch der oder die Pflegende selbst und man wächst mit seiner Aufgabe. Meine Erfahrung war, dass Charlotte sich immer über dass gefreut hat, was sie selbst machen konnte. Das baut auf und hilft Beiden. Ich behalte diese Zeit, trotz aller Probleme, dennoch in guter Erinnerung.
    Liebe Grüße Dein
    Hans-Heinrich

    Antworten

    • W. Worm,

      Lieber Hans-Heinrich,
      ich danke Dir herzlich für Deinen Kommentar und kann bestätigen, dass auch ich mir positives aus unserer schweren Zeit rausziehe. Das ist unglaublich wichtig und schön, wenn man es schafft.
      Dir weiterhin alles Liebe, herzliche Grüße Deine Wiebke

      Antworten

  • Susan Gray,

    Zum Thema MS und da kommt man um die Pflege zu hause nicht herum, hat ein junger Schweizer einen sehr berührenden Film gedreht. er heisst „Multiple Schicksale“. Sehr empfehlenswert!
    LG, Susan Gray

    Antworten

  • Kornelia Schmid,

    „Multiple Schicksale“ wird auch in Deutschland in die Kinos kommen – der Kinostart soll ab 15. September 2016 sein!
    Liebe Wiebke, danke für deine guten wertvollen Berichte, in denen ich und viele andere sich sehr gut wieder finden können.

    Antworten

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