Fünf Tipps bei herausforderndem Verhalten

Was tun, wenn sich Ärger hoch schaukelt?

Bei einer Demenz können binnen Sekunden Wutausbrüche zum Vorschein kommen

Wenn demenziell Veränderte aggressiv werden hat dies meist Gründe. Dennoch ist Ruhe zu bewahren (Foto: Fotolia)

Frau Schmitt-Lauch schreit: „Dir werd ichs zeigen!“ Die alte Dame hebt den Stock hoch. Hilfe, was kann ich tun, wenn mich mein dementes Gegenüber bedroht? Fünf Tipps.

Ich schütze mich selbst

Ich stimme nicht in die Stimmungslage von Frau Schmitt-Lauch ein. Besser ist: Tief durchatmen, ruhig bleiben. Ich schütze meine Gedanken. Ich lasse es nicht zu, dass ich mich über Frau Schmitt-Lauch ärgere. Die Dame ist dement. Und: Ich behalte Frau Schmitt-Lauch im Blick, damit sie mir nicht tatsächlich den Stock um die Ohren haut.

Ich schütze andere

Befinden sich andere Menschen in der Nähe? Andere Heimbewohner? Der Ehemann? Hund oder Katze? Falls sich die Drohung mit dem Stock nicht ausdrücklich nur auf mich bezieht, achte ich darauf, dass weitere Personen nichts abbekommen.

Ich ziehe weitere Personen hinzu

Befinde ich mich im Altenheim, hat dies einen Vorteil: Es gibt dort Kollegen. Ich kann eine Kollegin hinzu bitten. Und selber zur Seite gehen. Aus dem Sichtfeld von Frau Schmitt-Lauch. Häufig reagieren Betroffene auf Dritte ganz anders. Vielleicht ist der Ärger plötzlich vergessen – und alles ist wieder gut. Zuhause ist es schwieriger, eine weitere Person hinzu zu ziehen. Hier hilft es manchmal schon, einige Augenblicke in einen anderen Raum zu gehen.

Ich hole mir Hilfe

Wer kann mir helfen, Vielleicht Betreuungskräfte, die Pflegekraft vom ambulanten Pflegedienst oder die Altenpflegerin aus dem Altenheim. Andere Menschen haben vielleicht einen objektiveren Blick und professionellen Abstand. Von ärztlicher Seite ist der Hausarzt und der Neurologe zu nennen. Zusammen können wir viele positive Maßnahmen einleiten: Ein hilfreiches Beschäftigungsprogramm. Beachtung anderer Diagnosen oder Probleme. Die Medikamente neu einstellen.

Die Biographie mit einbeziehen

Was hat Frau Schmitt-Lauch gerne gemacht? Was hat sie beruhigt? Hörte sie gern Musik? Liebte Sie Tanz? Mochte sie Spiele? Hat sie gerne Geschichten gehört? War sie gerne mit anderen Menschen zusammen? Hat sie Zweisamkeit genossen? Ich gehe auf Frau Schmitt-Lauch ein. Und mache das mit ihr, was sie gern gemacht hat. Viele weitere Tipps aus christlicher Sicht  finden Sie in meinem Ratgeber.

 

Über Uli Zeller
Uli Zellers aktuelles Buch heißt „Frau Franke sagt Danke. Mutmachgeschichten für Menschen mit Demenz“. Bekannt wurde der Krankenpfleger, Journalist und Theologe durch seine Vorlesebücher für Menschen mit Demenz und einen Ratgeber für Angehörige aus christlicher Sicht. Bei uns schreibt der Autor über seinen Pflegealltag. Er gibt Tipps für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Bei Fragen, Anregungen oder Themenvorschlägen schreiben Sie ihm über info@die-pflegebibel.de oder die Kommentarfunktion.

 


Diskutieren, aber fair. Hier finden Sie unsere Kommentarregeln.

  • Angelika Weingartz,

    Hallo, gibt es irgendwo eine Leseprobe von „Frau Franke…“? Für welches Demenzstadium sind die Geschichten geeignet? Viele Grüße von Angelika

    Antworten

  • Uli Zeller,

    Ich habe gerade den Verlag angefragt, ab wann es eine Leseprobe auf der Brunnen-Homepage gibt. Die Geschichten in „Frau Franke sagt Danke“ sind eher kürzer als in „Frau Krause macht Pause“ und in „Frau Janzen geht tanzen“. Das heisst, Frau Franke ist also auch eher noch für spätere Phasen geeignet…

    Antworten

  • Rita Wolf,

    Ich kann das Wort Demenz bald nicht mehr hören, beschäftigt Euch mehr mit denen, denen ihr Demenz nachsagt.
    Ihr werdet merken, dass sie manchmal zu Recht wütend sind, das sie manchmal wegen Schmerzen schlechter ge-
    launt sind, dass sie manchmal einfach weglaufen möchten, weil ihr Leben bisher selbstbestimmt war und es eine
    Weile dauert, bis sie wegen diverser Gebrechen im Alter, erkennen, dass sie verschiedenes nicht mehr können.
    Es ist zu einfach, zu sagen, der Mensch kann nicht mehr allein ´raus und deshalb darf er es auch nicht, zeigt ihm
    seine neuen Grenzen, indem ihr ihn zunächst begleitet. Wenn er dann nicht weiß, wo er sich befindet, führt ein dementsprechendes Gespräch. Im Laufe
    des Lebens hieß es doch “ Versuch und Irrtum“. Leider wird bei nicht sofortiger Einsicht schnell auf Demenz ge-
    setzt. Bei schlechter Laune sowieso. Da ist der Mensch eben kratzbürstig und verhält sich unangemessen. Als wenn das nicht jedem schon auch in jüngeren Jahren passiert ist. Die ganze Welt spricht davon, dass man im Alter weniger Schlaf brauch. Nun ist es auch ein Zeichen von Demenz, wenn man nachts nicht mehr schlafen kann.
    Wenn der „Demenzkranke“ unglücklich ist, weil er sich noch nicht mit seinen diversen Gebrechen angefreundet hat:
    hat eben auch noch Depressionen. Dann gibt es eben bunte Pillen, die machen meist müde. Also: Sprach- und
    Gedächnisleistung herabgesetzt. Alten, zeitweise aus verschiedenen Gründen, zu diversenen Dingen nicht fähige alte Leute werden viel zu schnell als „dement“, „aggressiv“, „vergesslich“ bezeichnet. Als ob Jüngeren immer alles sofort einfällt besonders wenn sie müde sind oder in einer unbekannten Situation,als reagieren sie nie über. Wenn mehr mit den Alten gesprochen würde, statt über sie hinweg zu entscheiden, manchmal, weil sie eben auch noch schlecht hören, würde man bestimmt feststellen, dass mehr vernünftige und klare Antworten kommen, als erwartet wird und das sind Antworten nicht nur die Vergangenheit betreffend. Immer mehr Menschen kommen nach Schmerzbehandlung mit noch vorhandenem Delir in Altenheime. Nicht jeder Pfleger weiß, dass das als Durchgangssymdrom zu sehen ist. Wieder mal ein fälschlicher Beweis für eine Demenz, auch dafür gibt es Pillen, auch davon machen einige nochmal zusätzlich müde, mit allen Fogen, die für alle, auch gesunde Menschen, gleich sind. Das hier ist nur meine persönliche Meinung. Allerdings bin ich überzeugt, dass da sehr wohl was
    dran ist.

    Antworten

  • Uli Zeller,

    Sehr geehrte Frau Wolf.

    Herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Ich kann vieles davon nachvollziehen und sehe es ähnlich.

    Tatsächlich – mit dem Begriff „Demenz“ werden Menschen häufig sehr schnell abgestempelt.

    Und ich finde auch, dass man sich vor allem viel Zeit nehmen muss, um auf Menschen einzugehen und mit ihnen zu reden. Auf Menschen mit und ohne Demenz.

    Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute. Uli Zeller

    Antworten

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