Mitarbeiter, Redner, Musiker. Viele Menschen sind von Lampenfieber betroffen. Studien zeigen, dass sich Angst-Symptome wie Herzrasen, hoher Blutdruck und Schüttelfrost medizinisch oftmals nicht nachweisen lassen. Das ungute Gefühl abschütteln können Sie mit Routine und Power Posing.

Sportler wissen es schon lange: Der optimale Erregungszustand spornt sie zu Höchstleistungen an. Ähnliches gilt auch für Redner und Präsentatoren. „Seien Sie bloß nicht zu relaxed, wenn Sie vor Ihr Publikum treten. Dann bringen Sie nicht genug Spannung auf, um das Publikum während des Vortrags zu fesseln“, schreibt Rhetoriktrainer Peter Flume in seinem Buch „Präsentieren“ (Haufe Verlag).

Rhetoriktrainer Peter Flume (Foto: rhetoflu)

Rhetoriktrainer Peter Flume (Foto: rhetoflu)

Buchcover Präsentieren

Ist Lampenfieber eine Einbildung?

Dass die Angst, die Musiker von der Bühne fernhält, innerlich nicht immer nachweisbar ist, fand Claudia Spahn vom Freiburger Institut für Musikermedizin heraus. Bei ihren Probanden checkte sie Atemfrequenz, Blutdruck und Puls. Heraus kam „eine Diskrepanz zwischen den physiologischen Werten und dem Grad der Angst“, sagt Spahn. Und die Sängerin, die am meisten über Lampenfieber klagte, hatte nicht einmal erhöhten Blutdruck. „Die Werte derjenigen, die angaben, Herzrasen zu haben, wiesen weder auf eine erhöhte Herzfrequenz noch auf einen erhöhten Blutdruck hin“, sagt Rhetoriker Flume mit mehr als 25 Jahren Erfahrung. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam die Doktorandin Regina Studer vom Institut für Arbeit und Gesundheit an der Universität Lausanne. Auch Herzrasen, das viele Angst-Musiker vor dem Auftritt spüren wollen, konnte nicht nachgewiesen werden. Dass alles Einbildung ist, wollen die Wissenschaftler aber nicht bestätigen. Vielmehr könne es sein, dass Menschen unterschiedlich mit ihren Körpersignalen umgehen.

Gefühlte Reaktionen sind gar nicht vorhanden

Halten Sie eine Präsentation oder Rede, sind die Symptome also manchmal gar nicht vorhanden. Und schon gar nicht vom Publikum wahrnehmbar. „Sie dürfen sich also in dieser Hinsicht völlig entspannen“, sagt der Buchautor. Allerdings gibt es doch ein Phänomen, das Flume beschreibt: Es wurden bei Menschen mit Lampenfieber zu niedrige CO2-Konzentrationen in der ausgeatmeten Luft gemessen. Das deutet weniger auf Angst als auf eine falsche Atemtechnik hin. Sie sollten also schon zu Beginn und während der Rede, sobald Sie Stress verspüren, darauf achten, die eingeatmete Luft wieder auszuatmen. Eine natürliche Atmung stellt sich dadurch ein und Sie fühlen sich wieder sicher.

Sozialpsychologin Amy Cuddy fand heraus, dass Power Posing gegen Lampenfieber hilft. (Foto: Wiki Commons)

Sozialpsychologin Amy Cuddy fand heraus, dass Power Posing gegen Lampenfieber hilft. (Foto: Wiki Commons)

Mit der Superman-Pose steigern wir unseren Mut und senken das Stresslevel. (Foto: DC Comics)

Mit der Superman-Pose steigern wir unseren Mut und senken das Stresslevel. (Foto: DC Comics)

Gegen die Angst vor dem Auftritt hat Sozialpsychologin Amy Cuddy eine ganz eigene Lösung. Das Power-Posing. „Unsere Körpersprache beeinflusst unsere Gefühle“, konstatiert die Princeton-Absolventin. Sie fand in Tests heraus: Wer sich zwei Minuten lang breitbeinig hinstellt, die Arme nach oben reckt und Brust wie Bizeps zeigt, schüttet mehr Testosteron (Selbstbewusstsein) aus und weniger Cortisol (Stress). „Das sichere Gefühl sollte man so lange faken, bis es wahr wird“, sagt die Wissenschaftlerin. Es ist also bewiesen, dass es unser Selbstwertgefühl steigert, wenn wir uns wie ein Gorilla recken oder wie Superman aufrichten.

Routine und Checklisten helfen bei Angst

Um sich vor einer Rede zu beruhigen, die Fehlerwahrscheinlichkeit bei der Vorbereitung der Technik zu reduzieren und gleichzeitig Ihr Lampenfieber zu senken, empfiehlt Flume, eine Checkliste anzulegen. Halten Sie hier sechs bis zwölf Schritte fest, die Sie in immer gleicher Reihenfolge durchführen, bevor Sie die ersten Worte an Ihr Publikum richten. Dazu gehören unter anderem die sichere Standplatzwahl im Raum, der verbindliche Blickkontakt zum Publikum und schließlich die bewusste Ausatmung. Wenn Sie mit einem Beamer präsentieren, zählt auch dazu, dass Sie die Technik in der immer gleichen Reihenfolge anschließen. „Nach einigen Malen werden Sie den beruhigenden Effekt spüren“, ist sich Rhetoriktrainer Flume sicher.