Impulse durch Paulsen: Respektvoller Umgang

Miteinander ist manchmal gar nicht so leicht

Ärger in den eigenen vier Wänden oder auf der Arbeit? Freunde und Familie helfen oft mehr als Wutausbrüche gegenüber Unschuldigen

Emotionen sind manchmal schwer zu kontrollieren – gerade als Pflegekraft wird einem viel abverlangt (Foto: Fotolia)

Soeben komme ich zurück von einem Spaziergang mit meiner französischen Bulldogge Paula. Ein wunderschöner Septembertagtag, der gute Laune macht. Eigentlich.

Ich begegne einem Mann, er versucht  noch etwas Brauchbares aus einem Elektroschrottcontainer zu ergattern. Kein ungewöhnliches Bild in der Großstadt. Das sah eine mitte 20-jährige Frau deutlich anders. Ich staune überrascht, als sie den Mann völlig aus dem Nichts anschreit und ihm droht, die Polizei zu rufen. Blöder Penner war nur eine ihrer wüsten Beschimpfungen.

Ich wundere mich immer wieder über dieses psychologische Phänomen der Übertragung und was es mit uns Menschen macht. Wir projizieren Emotionen, die uns umtreiben auf andere Menschen. Mir liegt was quer und ein anderer muss es ausbaden. Dann bekomme ich wieder Luft. Zumindest für kurze Zeit, denn Gefühle kommen und gehen.

Von Pflegekräften wird stets das professionelle Verhalten erwartet, obwohl auch wir diesen Launen mal mehr mal weniger unterliegen. Es ist zutiefst menschlich. Und doch ist es ein Zeichen von Eigenreflexion, sich in gefühlten Extremsituationen stets zu Fragen: Was hat das, was gerade passiert mit mir persönlich zu tun und welches Gefühl löst es in mir aus?

In Bezug auf Erotik oder Sexualität sind es oft Wut-, Scham- oder auch Ekelgefühle.

Vielleicht ist es möglich, gerade als Pflegekraft zu menscheln, in sich zu schauen und zuzulassen, dass diese Gefühle da sind und da sein dürfen.

Eine sinnvolle Burn-Out Prophylaxe, denn Pflegende gehen dahin und schonungslos mit sich selbst um.

Denn immer noch gilt:

Wer sich selbst nicht pflegt, kann andere nicht pflegen.

Vielleicht reden Sie mit Kollegen oder Freunden über diese negativen Emotionen, sodass auch sie einen Raum haben dürfen. Dann werden die Gefühle auch nicht so groß und übermächtig – gelingt das nicht, suchen Sie sich professionelle Unterstützung, denn dafür gibt es sie.

Bleiben Sie gelassen und ich wünsche wie immer viel Erfolg dabei.

 

Über Gabriele Paulsen
Gabriele Paulsen berät, trainiert und coacht seit über 10 Jahren Fachkräfte im Gesundheitswesen. Sie gründete den Sexualbegleit-Service Nessita und lebt in Hamburg. Schwerpunkte Ihrer Arbeit sind gewaltfreie Kommunikation und Buisness Coaching. Seit 2001 war sie als Medizinproduktebeauftragte, Ernährungstherapeutin, Fachberaterin für Qualitätsicherung und auch im Vertrieb in der Altenpflege tätig. Davor arbeitete sie in den Universitätskliniken Hamburg und Kiel als Fachkranken­schwester in der Anästhesie- und Intensivpflege. Gabriele Paulsen zeigt neue Wege auf und hilft Veränderungen aktiv mitzugestalten. Die sexuelle Selbstbestimmung als Gedanke der Menschenrechte steht dabei im Fokus ihres Handelns.

 


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